aus meinem Garten
Was mich fünfzehn Sommer gelehrt haben — und warum ich jetzt doch verkaufe
Niederösterreich, April 2026 · von Margret Holzner
In meiner Werkstatt hinter dem Haus — der Brennofen, die Glasuren, die Stille. Hier entstehen die Schalen.
Ich schreibe selten über mein Töpfern. Nicht weil es mir nichts bedeutet — im Gegenteil. Aber es ist etwas, das ich lieber tue als darüber rede. Sepp, mein Mann, sagt immer: „Margret redet, wenn die Hände gerade frei sind." Die Hände sind selten frei.
Heute aber möchte ich etwas aufschreiben. Nicht weil ich euch etwas verkaufen will — zumindest nicht in erster Linie. Sondern weil es mir wichtig ist, dass ihr versteht, woher diese kleinen Keramikschalen kommen. Was hinter ihnen steckt. Warum ich fünfzehn Jahre lang verschenkt habe, bevor ich überhaupt daran gedacht habe, sie zu verkaufen.
Es hat mit einem Sommer angefangen, den ich fast vergessen hatte
Sepp ist Imker. War es fünfunddreißig Jahre lang, mit allem was dazugehört: früh aufstehen, schwitzen in der Schutzkleidung, Waben schleudern im August, Zuckerwasser einkochen wenn es sein musste. Ich habe immer zugeschaut — aber nie wirklich hingeschaut. Nicht auf die Bienen selbst.
Das hat sich an einem Sommertag geändert, der nach Nichts aussah. Sepp goss einfach so — weil er gerade eine Gießkanne in der Hand hatte — ein bisschen Wasser in eine meiner Mohnschalen. Eine, die ich kurz vorher gebrannt hatte und die noch im Beet stand, weil ich noch keinen Platz dafür gefunden hatte. Er goss, wir gingen ins Haus, wir dachten nicht weiter darüber nach.
Am nächsten Morgen saßen drei Bienen dran. Einfach so. Drei Bienen an einer Keramikschale.
— Das war der Moment, in dem ich anfing zuzuschauen. Wirklich zuzuschauen.
Ich weiß noch, wie ich dastand mit meinem Kaffeebecher und die drei Bienen beobachtete. Wie sie landeten. Wo genau am Rand sie saßen. Wie lange sie blieben. Sepp kam dazu und wir haben kein Wort gesagt — wir haben nur geschaut.
Die Form ist nicht zufällig. Alles — Tiefe, Rand, Neigung — ist das Ergebnis von fünfzehn Sommern.
Was ich in fünfzehn Jahren gelernt habe — und was mich erschreckt hat
Ich bin keine Wissenschaftlerin. Ich habe keine Messgeräte, kein Labor, keine Tabellen. Was ich habe, sind fünfzehn Sommer, in denen ich jeden Morgen als erstes nachgeschaut habe, wer an den Schalen sitzt. Wo genau. Wie lange. Was sie mögen und was nicht.
Das klingt nach wenig. Aber nach fünfzehn Jahren weiß man Dinge, die man nicht in einem Buch findet.
Was ich wirklich gelernt habe
- Bienen orientieren sich an Blütenformen — eine offene, runde Schale zwischen echten Pflanzen ist für sie kein Fremdkörper, sondern ein Signal: Hier ist etwas. Hier ist es sicher.
- Die Randtiefe entscheidet alles. Zu flach — Bienen rutschen ab. Zu tief — sie ertrinken. Es gibt einen Bereich dazwischen, der funktioniert.
- Eine leicht rauere Glasur am Rand gibt Halt. Glatte Keramik wird gemieden.
- Im Beetschatten hält Wasser viel länger als in Schalen auf heißem Beton oder Asphalt.
- An Hitzetagen sammeln Bienen keinen Nektar mehr. Sie suchen nur Wasser. Überall — auch in Pfützen, die ihnen schaden.
- Sauberes, frisches Wasser aus der Gießkanne kann ein Volk durch einen Trockensommer bringen.
Was mich erschreckt hat: Ich habe nicht gewusst, wie schlimm es den Bienen geht. Nicht mit dem Pestizidproblem — das weiß man. Aber mit dem Durst. Ein Bienenvolk braucht an einem heißen Tag bis zu zwei Liter Wasser — nur zum Kühlen des Stocks. Wenn die natürlichen Wasserquellen versiegen, fangen sie an, alles zu trinken, was sie finden. Auch das, was ihnen schadet.
Sepp hat mir gezeigt, wann eine Schale wirklich funktioniert
Ich hab die ersten Schalen falsch gemacht. Das sage ich ganz direkt. Zu flach, zu glatt, zu weit offen. Die Bienen haben versucht zu landen und sind abgerutscht. Oder sie haben sich gar nicht erst getraut.
Sepp hat sich die ersten Versuche angeschaut und dann gesagt — auf seine Art, also eigentlich fast nichts — : „Die Biene will stehen können." Mehr war es nicht. Aber das war genug.
Ich hab danach begonnen, jede neue Serie anders zu gestalten. Ein paar Millimeter tiefer. Den Rand ein bisschen weiter nach innen. Die Glasur am Rand rauer lassen. Und dann geschaut, was passiert.
Zwischen echten Mohnblüten, Margeriten, wildem Klee. No two alike — kein Stück identisch.
Fünfzehn Geburtstage und ein voller Garten
Mein erstes Töpferseminar war ein Geburtstagsgeschenk von Sepp. Er wollte mir etwas schenken, das nicht verblüht — das hat er damals wirklich so gesagt. Ich hab gelacht. Und bin nie wieder aufgehört zu töpfern.
Der Mohn wurde früh mein Signaturmotiv. Nicht weil ich ihn so schön finde — ich finde ihn schön, ja — sondern weil die Form stimmt. Offen, rund, mit einer tiefen Mulde in der Mitte. Ich hab ihn glasiert, in den Ofen, rausgeholt, und gedacht: das ist es. Die Form stimmt.
Ab dem zweiten Jahr habe ich Sepp zum Geburtstag eine Schale geschenkt. Jedes Jahr eine. Nach fünfzehn Jahren stehen über ein Dutzend davon im Beet — zwischen echten Mohnblüten, Margeriten, wildem Klee. Keine zwei gleich. Jede ein bisschen besser als die letzte.
Stefanie, meine Tochter, hat beim letzten Gartenfest die Reaktionen der Gäste beobachtet. Immer dieselbe Frage: „Wo kann man die kaufen?"
— Sie hat einen Shop eingerichtet. Ich habe nicht widersprochen.
Warum ich erst jetzt verkaufe — und was das bedeutet
Ich versteh bis heute nicht genau, wie das alles funktioniert. Ich töpfere im Winter — wenn der Garten ruht und es still ist in der Werkstatt. Im Sommer bin ich draußen: Beet, Bienen, beobachten. Da komme ich nicht an die Scheibe.
Die aktuelle Serie ist der diesjährige Winter-Output. Fertig gebrannt, fertig glasiert, fertig. Wenn diese Stücke weg sind, kommen neue frühestens im Herbst. Ich mache sie, wenn ich sie mache. Kein Datum, kein Versprechen.
Was ich euch sagen kann: Jede Schale ist von meinen Händen durch den Brennofen gegangen. Man merkt beim Töpfern, ob die Form stimmt — man fühlt es in den Händen, bevor man es sieht. Wenn es sich falsch anfühlt, starte ich neu. Ich verkaufe keine Schalen, bei denen es sich falsch angefühlt hat.
Margrets Bienen-Blüten
Aktuelle Winter-Serie
Handgetöpfertes 4er-Set
Keramik-Mohnschalen auf Metallstäben · direkt ins Beet · vier Farben
- Form aus 15 Jahren Beobachtung — Randtiefe und Glasur auf Bienenverhalten abgestimmt, nicht nur dekorativ
- Jede Schale einzeln getöpfert, glasiert, gebrannt — kein Stück identisch
- 4er-Set in zufälligen Farben: rosa, orange, lila, hellgelb
- Direkt ins Beet stecken, täglich zehn Sekunden nachfüllen — mehr braucht es nicht
- Gratisversand · Lieferung 3–5 Werktage
♡
30 Tage Zufriedenheitsgarantie: Stell die Schalen ins Beet. Schau wer kommt. Wenn du nicht überzeugt bist — schick sie zurück. Kein Kleingedrucktes.
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Solange Vorrat reicht · Nächste Serie frühestens Herbst 2026
Was ich mir wünsche
Ich weiß, dass eine Keramikschale das große Problem nicht löst. Ich bin nicht naiv. Pestizide, Monokulturen, Flächenversiegelung — das sind Themen, bei denen ich keine Antwort habe.
Aber ich weiß, was ich jeden Morgen sehe. Ich weiß, wie es klingt, wenn der Garten summt. Und ich weiß, dass es bei uns in den letzten fünfzehn Jahren nie aufgehört hat zu summen — auch nicht in den trockensten Sommern.
Wenn ich mir etwas wünsche, dann das: Dass bei euch auch wieder gesummt wird. Dass ihr morgens rausgeht und schaut, wer schon da ist. Dass ihr zehn Sekunden mit der Gießkanne steht und dabei merkt, dass das reicht.
Das ist kein großes Projekt. Vier Schalen. Ein Beet. Zehn Sekunden am Morgen.